Berichte:
Segeln
und mehr... Jahresbericht
04/05 25 Jahre Segeln in Grou
25ig-jähriges des Ädmiräls
Segeln
Keine Sportart taugt etwas, bei der man nicht sitzen kann!
Gott sei Dank gibt es auf Jollen und Yachten mehr oder weniger
geeignete Gelegenheiten, seine Glieder auszustrecken. Zugegeben,
der Grad der Bequemlichkeit steigt proportional mit der Größe des
Schiffes und in Abhängigkeit von der Anzahl der Crewmitglieder.
So dürfte es jedem leicht fallen, auf einer 32-iger Bavaria mit
3- köpfiger Besatzung ein Plätzchen zum gemütlichen Sitzen oder
Liegen zu finden, sofern es denn der Skipper auch zulässt. Wenn
aber eine Jolle mit 4 Personen voll besetzt ist, bedarf es hierzu
schon gewisser Akrobatik und einer gehörigen Portion Autosuggestion,
dann auch noch von Bequemlichkeit zu sprechen. Und so fällt es mir
immer wieder schwer, anderen begreiflich zu machen, warum ich so
gern segle.
Soll ich die super Gemeinschaft hervorheben sowohl als Team im
Boot als auch in der Jugendherberge am Abend oder soll ich sagen,
dass wir mit der BSG durch das schönste Segelrevier fahren, das
ich kenne, Natur pur genießen, wenn wir uns über breite Seen oder
schmale, gewundene Kanäle zum Ziel vorarbeiten? Dass es einfach
ein wahnsinniges Gefühl ist, Lage schiebend und mit dicht geholten
Schoten hoch am Wind andere Boote auszusegeln? Unterstellen wir
einmal, all das hätte meinen seglerisch unbedarften Gesprächspartner
überzeugt und Interesse in ihm geweckt, unser Segeln kennen zu lernen.
Und dann kommt mit Sicherheit irgendwann seine Frage, die alles
wieder relativiert: Und was macht ihr bei Regen???
Wenn ich diese Frage verharmlose nach dem Motto “wenn wir segeln,
regnet es nicht”, dann ist der nur einmal dabei. Also lieber bei
der Wahrheit bleiben: Segeln ist Wassersport und etwas Feuchtigkeit
von oben ist gut für die Haut. Und wir Segler wissen, dass es nur
eins gibt, was schlimmer ist, nämlich Regen und Flaute zusammen.
Aber das muss man ja nicht von vornherein kundtun. Denjenigen, die
im Frühjahr beim Segeln dabei waren, musste man nichts mehr erklären.
Es waren alles gestandene Seglerinnen und Segler, abgehärtet von
vielen Jahren Jollenerfahrung und ausgerüstet mit Ölzeug und Schwielen
an Händen und Hintern. Der Kreis war klein, aber exquisit. Geballtes
seglerisches Können wurde auf der Lampenregatta eingesetzt. Und
doch ist etwas passiert, was noch niemals in der Geschichte der
Lampenregatta geschehen ist:
Das Ergebnis wurde annulliert, es gab keinen Sieger! Wie
so häufig, steckte der Teufel im Detail: Das Siegerboot segelte
mit einer um ein paar Quadratzentimeter größeren Fock und es war
nicht auszuschließen, dass es auf dem einen oder anderen Kurs dadurch
gegenüber den anderen teilnehmenden Booten im Vorteil war und
eine höhere Geschwindigkeit herausholen oder um ein paar Zentimeter
höher am Wind segeln konnte. Wie dem auch sei, Sportlichkeit
geht eigenen Interessen vor – oder ist es doch umgekehrt?
Sommerzeit ist Dickschiff-Tour- Zeit. Und so starteten von verschiedenen
Häfen aus eigene und gecharterte Dickschiffe mit dem Ziel Enkhuizen
zu einem IJssel- und Markermeertörn. Nur eine dieser Yachten blieb
im Heimathafen. Und das hatte auch seinen Grund. Es blies nämlich
am Starttag recht ordentlich mit 5 Bft aus SW. An Bord dieses Schiffes
war unser Ädmiräl Paul, den wieder einmal der Rükken gehörig zwickte. Ein
halbes Jahr zuvor wurde er deswegen schon im Krankenhaus stationär
behandelt. Und jeder Segler weiß, bei steifem SW-Wind ist das Segeln
auf dem IJsselmeer so, als führe man über Eisenbahnschwellen. Die
kurzen, steilen Wellen erzeugen eine elende Stuckerei. Und bevor
Paul deswegen noch mehr Rückenschmerzen bekam und für ihn die ganze
Dickschifftour ins Wasser fiel, warteten Schiff und Crew halt auf
weniger Wind im Heimathafen. Weil es Äolus aber nicht im Traum einfiel,
ein oder zwei Gänge zurück zu schalten, wurde für dieses Schiff
die Dickschiff-Tour zu einer Ferienhaustour mit einem kurzen Abstecher
in friesische Binnengewässer.
Auch beim Herbstsegeln war die Anzahl der Teilnehmer überschaubar.
Neptun schenkte uns wetterseitig von allem etwas und so wurde das
verlängerte Wochenende zu einer Segelfreizeit, die ohne besondere
Ereignisse ablief und jedem, der dabei war, tagsüber Segelspaß pur
bereitete und den Abend beim gemütlichen Tratschen beim Bier wie
immer viel zu schnell vergehen ließ. Pünktlich zur Weihnachtsfeier
traf sich die Seglerschar wieder.
Wenn bei den einzelnen Freizeiten so viel Teilnehmer wären wie
Leute bei dieser Feier, würde man glatt an goldene frühere Zeiten
erinnert. Der letzte Nikolaus besuchte uns auf der Weihnachtsfeier
2003. Im vorletzten Jahr hatten wir dann schon einen Aushilfsnikolaus.
Und zur Überraschung aller kam zu dieser Feier der Osterhase und
verteilte nach seinem launigen Vortrag auch entsprechende (Oster)Eier.
Ob sich die Segeltruppe in diesem Punkt auf einem absteigenden Ast
befindet?
Was oder besser gesagt wer wird wohl in diesem Jahr als Nikolausersatz
auftreten? Wir werden es erleben.
Walter Dürholtz
|